600 km Brevet ARA Münsterland mit Torsten und Michael

 

Start: Samstag 20. Mai 2017, 8 Uhr

 

Nachdem wir (Torsten und ich, sowie teilweise Roman) bereits erfolgreich den 200er Brevet ab Boekelo (Niederlande) Ende Dezember 2016, 2 x 200er, den 300er und den 400er Brevet im Frühjahr mit Start in Münster gefahren sind, stand nun zum Abschluss der Brevet Serie der 600er an. Die Strecke sollte mit Start in Münster und weiter im Uhrzeigersinn entlang der Ems Richtung Emden, rüber nach Wilhelmshaven und mit Schlenker um Osnabrück zurück nach MS gehen.

 

Warum das ganze werden sich sicher welche Fragen? Weil radeln Spaß macht!

 

Okay, so ganz ist es nun doch nicht die Wahrheit. Die ist auf September 2015 zurückzuführen, als Torsten und ich uns Startplätze für die Langstreckenfahrt London – Edinburgh – London (LEL) vom 30.07. – 04.08.17 sichern konnten. Aus einer anfänglichen Schnapsidee (ohne Schnaps) wurde also Realität, zumindest zwei der begehrten 1500 Startplätze konnten wir uns sichern. Was genau LEL ist, kannst du hier nachlesen:  https://de.londonedinburghlondon.com/

 

Seitdem wurden natürlich etliche Kilometer abgespult, viele Sachen neu angeschafft, ausprobiert, für gut befunden, für unbrauchbar abgestempelt und so weiter. Vorbereitung ist halt das A und O bei einer solch langen Rad fahrt. Okay, lang für uns, jedoch auf verschiedenen Brevets Leute kennen gelernt, die fahren bei Veranstaltungen mit, mit der 3-fachen Distanz und mehr.

 

Und nun zurück zum vergangenen Wochenende. Für mich war es so etwas wie die Generalprobe für LEL. Zumindest was das Fahrrad betrifft. Bei mir könnten noch ein paar Kilo runter kommen, dann würden die vielen Hügel in Großbritannien einfacher zu fahren sein, oder paar Kilo mehr, dann brauch ich nicht so viel auf den Verpflegungsstellen zu essen, sondern hätte die Energiespeicher gefüllt. Angeblich wird ja Fett im Körper zu Energie umgewandelt und Energie verbraucht man auf den langen Distanzen ja genug.

 

Das Rad wurde die Tage zwischen der üblichen Dienstagrunde mit dem Rad-Treff und Samstag gecheckt, gestreichelt, geölt, gesäubert, mit Taschen bestückt, diese beladen und zum Glück nicht auf die Waage gestellt. Das übliche Gewicht von knapp über 7 kg dürfte sich locker verdoppelt haben.

 

(Radler Zimbo sein Ross)

 

(Torsten sein Black Carbonbomber)

 

Samstag morgens dann um 4.38 Uhr aufgestanden, dem Wecker 2 Minuten zuvor gekommen, die letzten Vorbereitungen getroffen, Brötchen für unterwegs geschmiert und gegen 5.40 Uhr ging es dann gemütlich mit der ebenfalls erwachten Sonne nach Salzkotten, wo Ross und Reiter von meinem Mitstreiter Torsten mitgenommen wurden.

 

(Sonnenaufgang auf der Fahrt Richtung Salzkotten)

 

Nach unproblematischer Anreise, letztem Check der Räder, begrüßen bekannter Gesichter am Startort, dem üblichen Einschreiben und Abholen der Startkarte kam es wieder zur Fahrerbesprechung mit Ben, einem der Organisatoren der ARA Münsterland. Er ist die Strecke am Mittwoch zuvor alleine abgeradelt und hat noch den einen und anderen Hinweis gegeben worauf man achten sollte.

 

(die Ruhe vor dem Sturm mit gepflegter Unterhaltung überbrücken)

 

Mit Sonnenschein ging es kurz nach 8 Uhr los, die Teilnehmer wurden in 3 Gruppen eingeteilt, die schnellen vorne (mit uns), dann die gemütlichen und zum Schluss die Liegefahrräder und vollverkleideten Velomobile.

 

(lange Schlange…)

(Torsten direkt am Flatterband)

 

Startort ist übrigens am Fachwerk Gievenbeck, nach ein paar Minuten ist man direkt aus der Stadt und auch schönen Straßen im Münsterland unterwegs. So schön, das sich wohl ein Mitfahrer von der Landschaft hab ablenken lassen und mit seinem Vorderrad das Hinterrad vom Vordermann touchiert hat und das einen Sturz auf die linke Fahrbahnseite zur Folge hatte. Nicht auszumalen wenn Gegenverkehr gekommen wäre. Das war übrigens 2 Reihen vor mir geschehen, ich konnte noch gut den umherkullernden Trinkflaschen und Vordermännern ausweichen, was jedoch einem weiteren Mitfahrer nicht gelang und ebenfalls stürzte. Beide verunfallten konnten jedoch die Fahrt glücklicherweise fortsetzen – waren ja nur noch knapp 590 km ins Ziel. Der erst gestürzte kam sogar paar Minuten vor uns zurück in Münster an, und das mit Schürfwunden am linken Unterarm und rechten Knie. Harte Kerle diese Randonneure.

 

(Der Schnellrandonneurzug rollt)

 

Über die beliebte Radbahn Münsterland, eine zum Radweg ausgebaute ehemalige Bahntrasse sowie Rheine und an Lingen vorbei erreichten wie Meppen, wo die erste Kontrolle an einer Tankstelle war. Der Garmin zeigte bereits 120 km an und dies mit einem Schnitt von 32 km/h in der Stunde. Puuh.

 

(Das üblich Prozedere bei den Kontrollstellen, Stempel abholen, Verpflegen und weiter die Hatz)

 

Mit unverminderter Geschwindigkeit ging es weiter Richtung Norden, mal an der Ems entlang, mal etwas beschaulich über kleine Wirtschaftswege, durch kleine Bauernschaften, über Landstraßen. Immer viel Abwechslung. Auch die Transrapidstrecke im Emsland wurde unterquert, schade das sich dieses Verkehrsmittel nicht als Exportschlager deutscher Ingenieurskunst herausgestellt hat. Das war auf dem Teilstück zwischen der 1. Und 2. Kontrolle nicht der einzige Hingucker, die Meyer-Werft in Papenburg wurde auch noch mitgenommen, sogar die Schleuse wo die nagelneuen Meeresriesen durchfahren wurde befahren.

(unter die Transrapidstrecke hindurch)

 

(Meyer-Werft – die mal zu besichtigen ist eine Reise wert)

 

Kurz nach Papenburg verlor ich dann mal kurz den Anschluss an die Gruppe, was mir nicht peinlich war, konnte ich so doch das von Torsten und mir eigentliche veranschlagte Tempo von 28-30 fahren und nicht die bis zu 10 km/h mehr. Torsten hat dies nach paar Kilometern auch gemerkt und hat auch mich gewartet. Ebenso der Thomas, der jetzt die nächsten gut 150 km mit uns mitkam. In Leer wurde dann noch etwas Essen und Trinken eingekauft und kurze Zeit später bewahrheitete sich leider dann doch noch die Regenvorhersage für das (Ost-)Friesland, ein kleiner aber feiner heftiger Schauer kam herunter. Zum Glück konnte man sich unter Bäumen bzw. in einer Bushaltestelle noch die mitgeführte Regenkombi überzeihen und bei leichtem Regen weiterfahren. Kurze Zeit später waren die Straßen wieder trocken, die Sonne trocknete die Regensachen und Emden, die 2. Kontrollstadt wurde erreicht. Der Tacho zeigte 235 km.

 

(Wolkenbruchstop)

 

(Rathaus Emden)

 

An der Tanke in Emden traf man dann paar weitere Mitstreiter wieder, da wir ja schon in Leer uns gut verpflegt hatten konnten wir nach kurzem Stempel abholen weiter fahren. Nun ging es ostwärts, Wilhelmshaven war der nächste Kontrollpunkt. Und was soll ich sagen, der Wettergott entschuldigte sich für den Regen zuvor, schön angenehmer Rückenwind die nächsten 80 km. Ein kleiner Zwischenstopp in Aurich wurde eingelegt, ebenso in Jever, denn du fährst nicht durch Jever, ohne ein Jever (Fun) getrunken zu haben (besten Gruß an Torben).

 

(Radler Zimbo und Thomas)

 

Gestärkt mit diesem herben Genuss wurde alsbald auch schon Wilhelmshaven erreicht, um uns dort Stempel #3 abzuholen und sich auch die Flaschen zu füllen. Auch noch ein Brötchen rein und weiter. Unterwegs habe ich dann auch noch mal ne Banane, nen Obstriegel, ne kleine Packung Nuss-Schoko-Rosinen Mischung oder Waffeln gegessen. Ist eigentlich ne gute Kombi, hat mich auch schon beim 300er und 400er bewährt. Jedoch kamen irgendwie Blähungen auf und einfach die Luft rauszulassen war …. Ach, lasst das mal meine Sorge sein, 100 km weiter war alles wieder gut. Glaube das lag an den Obstriegeln, denn davon aß ich nun keine mehr. Dafür fährt man ja solche Brevet Serien, da kann man allerhand ausprobieren was einem gut tut und nicht und so weiter.

 

Von Wilhelmshaven ging es knapp am Jadebusen vorbei Richtung Süden, Oldenburg musste angesteuert werden. Nach nun über 350 km in den Beinen fuhr man langsam aber sicher in die Dunkelheit. Die Lampen wurden angemacht, Reflektierende Kleidung angelegt, Sonnenbrillen gewechselt und Fotos vom schönen Sonnenuntergang gemacht. Die Fahrt lief sehr gut und zügig, waren zu fünft unterwegs.

 

(Sonnenuntergangsblick in Richtung Nordseeküste)

 

(Torsten und Radler Zimbo – das Tagesmotto steht auf meinem rechten Oberarm)

 

Kurz vor der Kontrollstelle in Oldenburg, ja, wieder an einer Tanke – alles Kontrollstellen waren 24h Tanken – hielten Thomas, Torsten und ich an einem McDonalds an um uns mal mit etwas warmen zu stärken. Eigentlich bin ich ja kein Fan von Fastfood, aber zumindest weiß man was man dort bekommt. Meine Schlachtplatte war mit 2 Hamburgern, mittlerer Pommes und nen Eisbecher mit Karamellsauce übersichtlich bedeckt. Mehr Hunger hatte ich auch nicht. Dort konnte man sich auf der Toilette auch gut frisch machen und seine Wasserflaschen auffüllen.

 

(Torsten seine Mahlzeit)

 

In unter 2 Minuten wurde dann die Stempelabfertigung erledigt, weiter ging es im Stadtgebiet Oldenburg über ziemlich schlechte Straßen. Mittlerweile war es auch tiefste Dunkelheit, mir macht es Spaß mit sehr gutem Licht durch selbige zu fahren. Auch verspürte ich diese Mal nicht einmal Müdigkeit, beim 400er mit Start um 21 Uhr war so gegen 7 Uhr ein kritischer Punkt, da hätte man sich auch mal ne (Schlaf-)Pause gönnen können.

 

(Torsten und Thomas voraus – die Nacht zum Tag machen)

 

Über Delmenhorst, hier Stempel #5, ging es weiter Richtung Süden nach Diepholz. Weiterhin alles schön flach, der Wind spielte auch kein Spielverderber, so kamen wir gut voran. Mittlerweile zeigte der Tacho 470 km an als wir an einem Autohof Stempel #6 einfuhren. Zwischendurch hatten wir 2 Mitstreiter unterwegs bei einer Pause aufgegabelt und waren wieder als Quintett unterwegs gewesen. Am Autohof haben wir dann eine längere Pause in der Frische draußen gemacht, leider heißt 24h-Tanke nicht dass man auch 24h diese betreten darf. Am Nachtschalter wurden diverse Stärkungen geordert. Torsten und ich sind dann alleine weiter, 2 haben sich abgemeldet, einer wollte in Diepholz diese berühmten EC-Hotels besuchen.

 

Torsten hatte mit der Müdigkeit zu kämpfen, so fuhren wir nebeneinander und quatschend über Gott und die Welt durch die Nacht, sowie mit lauter Musik aus meiner Bluetooth Box, der Teutoüberquerung entgegen. Ja, nach 500 flachen km kommt nun das Doppelte der bisherigen 400 hm hinzu. Aua sagen da die Oberschenkel – ob da „Shut up legs“ – der berühmte Spruch von Jens Voigt – hilft?

 

Was soll man denn machen? Irgendwie muss man da ja nach Dissen hin, um Stempel #7 zu holen. Okay, nach der offiziellen Strecke muss man ja nicht zwingend fahren, die Stempelkontrollen sind aber so gelegt, das 600 km zusammen kommen. Sich eine ebenere Strecke über den Teuto raussuchen hätte man vorher am PC machen können, hab ich aber nicht. Also rauf die paar über 10% Steigungen, es geht ja zum Glück auch wieder runter! Untermalt wurde dieser hügelige Abschnitt mit einem schönen Sonnenaufgang und reichlich Bodennebel. Der Garmin zeigte am Ende die minimale Temperatur von 2°C an – das muss dann dort gewesen sein.

 

(Sonnenaufgang im Teutoburger Wald)

 

Nach einer schönen längeren Abfahrt nach Dissen kamen wir wieder an einem Autohof, Dissen-Süd, an. Die letzte Stempelkontrollstation dieser Veranstaltung. Drinnen ein wenig aufgewärmt und nen Energydrink gegönnt um die letzten 60 km ins Ziel noch ordentlich reintreten zu können. Torsten gönnte sich noch nen Kaffee und Brötchen, ich wartete dann draußen in der bereits warmen Sonne.

 

Nun konnte man die km immer schön rückwärts zählen, mit jeder Minute kam man dem Ziel näher. Und das gesteckte Ziel bis 10 Uhr wieder Münster zu erreichen würde locker geschafft werden. Wenn es natürlich auch alles glatt laufen würde. Und das hat es. Kein Defekt hat uns auf den 600 km heimgesucht. Bis auf einen Platten von Torsten beim 300er Brevet ist nichts aufgetreten während der Serie. Unterwegs waren auch immer mal wieder 2 verschiedene Pfeile an Schildern zu sehen, die Strecke der Kiepenkerl-RTF und –Marathon. Hätte man ja auch noch mitnehmen können, Zeit bis 11 Uhr hatten wir, aber daran hat keiner laut gedacht.

 

So erreichten wir um 09:10 Uhr glücklich und erschöpft und auch froh es geschafft zu haben die Westfalen-Tankstelle an der Steinfurter Str. in Münster, wo der Zielstempel auf die Startkarte wartete.

 

(Komplette Stempelsammlung)

 

Fazit: Gutes LEL-Training und die Erkenntnis dass wir immer mehr ein gutes Team werden und sind!

 

Meine Aufzeichnung findet ihr hier: https://connect.garmin.com/modern/activity/1745443357

 

Ich hoffe euch hat der Bericht gefallen

 

In diesem Sinne, Kette rechts!                                  Michael und Torsten

 

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Regelmäßiges Radfahren verbessert die Herz/Kreislauf-Funktion, kräftigt die Rückenmuskulatur, beugt Erkältungen vor und baut Stress ab.

 

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